Alltag und Aufgaben in Mimi’s Refuge
Nicht jede Katze hat das Glück in Geborgenheit aufzuwachsen. Dementsprechend unterschiedlich sind ihre Charaktere und ihr Sozialverhalten.
Ein schönes, katzengerechtes Zuhause, Geduld, liebevolle Pflege, Spiel- Lernstunden und viel Einfühlungsvermögen sind Voraussetzungen für diese verantwortungsvolle Aufgabe einer Pflegestelle. Für viele Tiere ist eine gute Pflegestelle die Grundlage für ein neues, besseres Leben.
Als gute Pflegestelle helfen wir ihnen körperlich und seelisch wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Der persönliche Kontakt zwischen Mensch und Katze ist sehr wichtig, gerade bei Vorfällen wie dem Verlust des bisherigen Daheims oder – noch schlimmer – wenn die Katze vorher nie ein Zuhause hatte.
Die enge Zusammenarbeit mit erfahrenen Tierärzt:innen ist sehr wichtig und oft match entscheidend für ein gesundes und glückliches Katzenleben. Nur durch fachkundige Diagnostik, individuelle Therapien und eine vertrauensvolle Abstimmung können Krankheiten früh erkannt, Schmerzen gelindert und Heilungsprozesse optimal unterstützt werden.
So entsteht meiner Meinung nach die Basis dafür, dass jede Katze die bestmögliche Chance auf einen stabilen, sicheren und liebevollen Neubeginn erhält.
Jede Katze ist anders:
Manche suchen viel Nähe, andere bevorzugen Ruhe. Es gibt Einzelgänger, soziale Gruppenkatzen, wilde, scheue oder sogar Angstkatzen. Ihre Bedürfnisse stehen immer an erster Stelle. Dabei ist es wichtig, Adoptierenden zu vermitteln, dass eine Momentaufnahme nicht das ganze Wesen einer Katze zeigt. Nur wenn beide Seiten zusammenpassen, kann eine langfristig glückliche Vermittlung gelingen.
Dazu gehören persönliche Gespräche, eine Vorkontrolle – zum Beispiel, um Umgebung und Verkehrslage einzuschätzen. Sowie die Begleitung auch nach der Vermittlung. Bei Fragen oder Unsicherheiten stehe ich den neuen Halter:innen immer gerne beratend zur Seite. Wenn es mal doch nicht passt, darf jedes Büsi wieder heimkommen.
Kinderstube und Handaufzucht
Leider kommt es immer wieder vor, dass Katzenwelpen mutterlos aufgefunden werden oder eine Katzenmutter aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage ist, ihre Jungen zu versorgen. So kam es auch im Oktober 2020, als ein Wurf von fünf Kitten zur Welt kam, deren Mutter keine Milch geben konnte. Die Kleinen mussten vollständig von Hand aufgezogen werden. Die Handaufzucht von Kitten ist eine wundervolle, aber auch sehr anspruchsvolle Aufgabe – sie bedeutet nahezu eine Vollzeitbetreuung und erfordert viel Fachwissen, Geduld und Hingabe. Umso dankbarer war ich für die wertvolle Unterstützung durch das Team von VetPLUS aus Hagneck, das Team von Handicapcats Schweiz sowie durch Freunde, die beim Füttern („Schöppelen“) und beim liebevollen Bäuchlein-Massieren halfen. Aus dieser intensiven Zeit sind viele Erfahrungen und Erkenntnisse entstanden, wie aus Handaufzuchten soziale, ausgeglichene Katzen werden können.
Tipps und Erfahrungen aus der Handaufzucht
Wenn Katzenmütter oder andere erwachsene Katzen freundlich, ruhig und souverän mit den Welpen umgehen, dürfen sie gerne einen Teil der Erziehung übernehmen. Beim gemeinsamen Spielen lernen die Kitten wichtiges soziales Verhalten.
Ab der siebten bis achten Lebenswoche sollte nicht jedes Futterverlangen sofort erfüllt werden. Kurze Wartezeiten fördern Geduld und Frustrationstoleranz.
Die Kitten sollten sich früh an die körperliche Pflege gewöhnen. Mit einer weichen Babybürste oder einem angewärmten, feuchten Frotteelappen werden sie sanft gereinigt – ähnlich wie durch die Zunge der Mutterkatze. Protest wird ruhig ignoriert, die Pflege konsequent fortgesetzt und beendet, sobald sich das Kitten entspannt verhält.
Zwischen der zweiten und siebten Lebenswoche sollten die Kitten unter einwandfreien hygienischen Bedingungen (desinfizierte Hände, ggf. Fussüberzieher) mehrmals Kontakt zu verschiedenen Menschen haben.
Alltagsgeräusche wie Staubsauger, Föhn oder Kaffeemaschine sollten früh und behutsam eingeführt werden, damit die Kitten diese als normal wahrnehmen.
Sobald die Kitten das Katzenklo sicher benutzen und die Wohnung kittengerecht eingerichtet ist, dürfen sie die gesamte Wohnung erkunden. So werden sie spielerisch in den Alltag integriert.
Auch der Kontakt zu anderen Tieren (z. B. ruhigen Hunden) sowie zu Kindern ist wichtig – allerdings nur zu Kindern, die alt genug sind, ihre Kraft einzuschätzen. Die Prägephase ist entscheidend: Alles, was die Kitten in dieser Zeit kennenlernen, begleitet sie ein Leben lang.
Anbei ein sehr guter detaillierter Wegweiser von NetAp zum Thema Handaufzucht: